Suchthilfe ist gefährdet

Betroffene bangen um Zukunft von St. Rochus
Mit der Suchtberatung des Mombacher Caritas-Zentrums St. Rochus schlägt eine weitere soziale Hilfseinrichtung Alarm: Ohne zusätzliche städtische Zuschüsse droht ihr das
Ende.


MOMBACH. Wie die beiden Caritas-Zentren in der Neustadt und in Weisenau steht auch die Suchthilfe im Caritas-Zentrum St. Rochus vor dem Aus. Sofern die geforderten
städtischen Zuschüsse von 65 000 Euro im März nicht genehmigt werden, kann der Caritasverband die Suchtberatung nicht weiterführen - das Ende eines Angebots, das laut
Caritas 40 Jahre lang Tausende bei der Behandlung und Prävention von Suchtproblemen unterstützt hat. Alkoholabhängigkeit ist hier das Hauptproblem, während die
Suchtberatung für illegale Drogen von der Stadt Mainz in der Einrichtung "Brücke" stattfinde.

"Das Angebot müsste noch erweitert werden - wenn wir schließen, gibt es in Mainz keine ambulante Suchtberatung mehr", betont Wolfgang Schnörr, Caritasdirektor. Betroffen
wären Hunderte von Süchtigen und ihre Familien - die Angehörigen der Abhängigen müssen ebenfalls häufig sozialtherapeutisch betreut werden. Die Caritas fordert höhere
städtische Zuschüsse. Immerhin seien diese seit 25 Jahren nicht erhöht worden. Bisher habe der Caritasverband fehlende Beträge übernommen, was aufgrund sinkender
Kirchensteuer und steigender Kosten nicht mehr möglich sei - die bisher von der Stadt pauschal veranschlagten 40 000 Euro reichten definitiv nicht mehr aus.

Seit bekannt wurde, dass die Existenz der Suchthilfe auf der Kippe steht, erreichten viele Briefe das Caritas-Zentrum, berichten die Caritasleute. Einig seien sich alle Verfasser,
darunter ehemalige Betroffene, in ihrem Unverständnis über das mögliche Ende der Einrichtung, der sie die Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben zu verdanken hätten.

"Sollte die Suchtberatung tatsächlich schließen, würden auf die Stadt weitaus höhere Kosten zu kommen, da es sich bei diesem sozialen Angebot um eine städtische
Pflichtleistung handelt", führt die Leiterin des Caritas-Zentrums St. Rochus, Martina Hoche-Schüler, aus. In ihrem Haus werden Süchtige ambulant und stationär betreut,
ehrenamtlich geleitete Selbsthilfegruppen treffen sich regelmäßig - dieses vielseitige Angebot sei besonders wichtig, da Suchtkranke lebenslang gefährdet seien.

Eine wichtige Aufgabe bestehe zudem in der Information und Aufklärung zum Thema Sucht - Stichwort "Komasaufen". Mit Informationsveranstaltungen in Schulen klären die
Mitarbeiter des Caritas-Zentrums Jugendliche über die Gefahren des Suchtverhaltens auf. Vor allem für diese Zielgruppe sei zusätzlich am 1. Oktober 2008 die
Glücksspielsuchtberatung - mit Schuldnerberatung - in Mombach eingerichtet worden. Sie sei ebenfalls für Computer- und Internetsüchtige zuständig. Obwohl dieses Angebot zu
90 Prozent vom Land Rheinland-Pfalz finanziert werde, sei es ebenfalls gefährdet, da es an eine anerkannte Suchtberatung gekoppelt sein müsse. Viele Menschen unterstützten
inzwischen mit Unterschriften den Erhalt der Suchtberatung des Caritas-Zentrum St. Rochus. Caroline Eva Gerner

Caritas-Zentrum St. Rochus, Emrichruhstr. 33, Telefon: 06131/62 67-0, E-Mail:
soziales-zentrum@caritas-mz.de
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Quelle: Mainzer-Rheinzeitung Archiv  27.02.2010